Vermögen bewahren und ausbauen

Nicht alles auf ein Pferd setzen

Bei Geldanlagen ist häufig von „Diversifikation“ oder „Struktur“ die Rede. Gemeint ist, dass Anleger und Sparer ihr Geld über verschiedene Anlageformen aufteilen sollten. Warum das sinnvoll ist, erläutert Gunnar Thiele, Marktvorstand unserer Volksbank-Raiffeisenbank Glauchau eG.

Herr Thiele, „Nicht alles auf ein Pferd setzen“ – diese Empfehlung hören Sparer und Anleger oft.

Ja, denn an dieser Redewendung und dem Vergleich aus der Welt des Sports ist etwas dran. Schließlich kann das Pferd einen schlechten Tag haben, oder es kann krank werden – und die anderen Pferde ziehen vorbei. Und schon wäre ein Wetteinsatz auf dieses eine Pferd verloren. Übertragen auf Geldanlagen bedeutet dies: Setzen Anleger alles auf ein Wertpapier, zum Beispiel eine Aktie, ist das Risiko mitunter sehr hoch. Sie sind von diesem Unternehmen und seinen Geschäften stark abhängig. Werden beispielsweise wesentliche Produkte dieses Unternehmens nicht mehr nachgefragt, fällt oft auch der Aktienkurs dieser Firma.

Was können Anleger und Sparer tun?

Sie können das Risiko deutlich senken, indem sie nicht Aktien eines Unternehmens kaufen, sondern von mehreren Firmen. Verluste bei einem Wertpapier können so durch Gewinne bei einem anderen ausgeglichen werden. Doch Anleger sollten hierbei einige Regeln beachten. Grob gesagt: Wenn sie eine Autoaktie kaufen, wäre es weniger ratsam, das Risiko mit einem Wertpapier aus der gleichen Branche auszugleichen. Denn sollte die Nachfrage nach Autos insgesamt einbrechen, wären beide Wertpapiere betroffen und würden an Wert verlieren. Ein Wertpapier aus einer anderen Branche kann aus Risikosicht die bessere Alternative sein.

Gibt es noch weitere Möglichkeiten für eine gute Verteilung?

Sicher, es gibt mehrere Ebenen der Streuung, in der Fachsprache auch Diversifikation genannt. So können Anleger innerhalb einer Anlageklasse streuen – also neben Aktien aus verschiedenen Branchen zum Beispiel auch solche aus verschiedenen Ländern oder von großen beziehungsweise von kleineren Unternehmen wählen. Oder aber sie verteilen ihr Geld auf verschiedene Anlageklassen. Dabei investieren sie einen Teil des Geldes in Aktien, einen in festverzinsliche Wertpapiere mit unterschiedlichen Laufzeiten oder auch einen Teil in Rohstoffe oder in Währungen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – doch Anleger sollten immer auf ihre eigene Risikobereitschaft und den gewünschten Anlagehorizont achten.

Ziemlich viele Aspekte, die Anleger bedenken müssen …

Deshalb sollten sie auch Experten einbeziehen. So können etwa Fonds, eine gute Möglichkeit sein, um in Sachen Geldanlage erfolgreich zu sein. Nehmen wir einen Aktienfonds, in dem schon mal 100 Wertpapiere enthalten sind. Im Fondsmanagement gibt es Länder- und Branchenspezialisten, die die darin enthaltenen Wertpapiere genau analysieren und auch neue Investmentideen aufspüren und untersuchen. Gleichzeitig sind die Spezialisten aber auch Risikomanager mit der Aufgabe, das Risiko im Fonds – je nach Anlagepolitik – bestmöglich zu streuen und somit zu minimieren. Diversifikation wird also innerhalb eines Fonds genutzt.

Wie gelange ich als Anleger zu einem für mich gut diversifizierten Depot?

Bei dieser Entscheidung kann eine Bankberatung sinnvoll sein. Denn schließlich kommt es auf die finanziellen Ziele, den Anlagehorizont – also die Laufzeit – und die Risikopräferenz an. Im Gespräch erörtern Anleger mit ihrem Berater, wie eine stabile Anlagestrategie aussehen könnte. Und nicht zuletzt: Mit einem Fondssparplan, bei dem regelmäßig über einen längeren Zeitraum Fondsanteile gekauft werden, streuen Sie als Sparer das Risiko zusätzlich.

Vielen Dank, Herr Thiele.

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